Januar 2019

Werteorientierung – christliches Menschenbild – Demokratie

Werteorientierung – christliches Menschenbild – Demokratie

Werteorientierung – christliches Menschenbild – Demokrati

In seiner Satzung (§ 2 Zweck) hat sich TOP: Talente verpflichtet, sich bei seiner Bildungsarbeit mit der „Werteorientierung auseinanderzusetzen“. Das wirft verschiedene Fragen auf, zum Beispiel: Wo kommt dies zum Tragen oder welche Werte sind damit gemeint? Woran sich die Antworten orientieren sollen, gibt die Satzung selbst vor: an Werten, „die sich aus der Perspektive eines christlichen Menschenbildes“ ergeben. Es hat zwar lange gedauert, bis die Kirchen die allgemeinen Menschenrechte anerkannt haben, weil sie anfänglich als Widerspruch zur christlichen Lehre propagiert wurden. Doch ist die Einsicht längst gewachsen, dass diese Menschenrechte sich im Grunde ja aus Werten ableiten, die sich auch aus einem christlichen Menschbild ergeben.

Der Staatsrechtler und Staatsphilosoph Josef Isensee hat nachgewiesen, dass der Begriff „Würde des Menschen“ zum ersten Mal in der Weihnachtspredigt von Papst Leo I (dem Großen) im 5. Jahrhundert auftaucht und sich auch im alten Mess-Ritus findet: Deus, qui humanae substantiae dignitatem mirabiliter condidisti et mirabilius reformasti, da quaesumus … (frei von Benedikt Steinschulte übersetzt: Gott, der Du die Würde der menschlichen Natur wunderbar begründet und noch wunderbarer erneuert hast, gib, wir bitten Dich …) 

Ein Wert ist an sich ein Maß. Im Plural wird der Begriff als „Werte“ in Verbindung mit menschlichen „Wertvorstellungen“ verwendet, die unserer Verfassungsordnung zugrunde liegen. In Artikel 1 (Menschenwürde – Menschenrechte – Rechtsverbindlichkeit) heißt es in Absatz 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Die Menschenwürde ist Kernbestand jeder Demokratie, und deswegen wird auch von demokratischen Grundrechten und Grundwerten gesprochen. Demokratie und Christentum stimmen hier überein. Damit scheint die Frage beantwortet zu sein, die christlichen Werte sind die demokratischen Werte und vice versa, die demokratischen sind die christlichen.

Dazu schrieb Heinrich Kautz in seinem Buch „Demokratie und Christentum in der Krisensituation unserer Zeit“: „Die christliche und demokratische Weltanschauung – das Menschsein aus der Gottes- und Nächstenliebe, das Menschsein aus der Idee des Menschen und der Menschlichkeit – können trotz ihrer Wesenverschiedenheit krisenfrei nebeneinander bestehen, praktisch sich sogar gegenseitig befruchten und ergänzen.“

Dieser Auffassung wurde 1986 bei Erscheinen seines Buches zumindest öffentlich nicht widersprochen. Das Christentum ist wesensmäßig eine Weltanschauung, insgesamt eingegrenzt auf den religiös-sittlichen Bereich. Es vertritt die göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung, Liebe (1 Kor. 13), und das heißt zum Beispiel im Bereich Ehe und Familie „uneingeschränkte Liebe zu Werten wie Großherzigkeit, Verbindlichkeit, Treue und Geduld zu pflegen.“ (Papst Franziskus, in Amoris Laetitia, Nr. 5) Die Demokratie ist hinsichtlich der Werteorientierung auch eine Weltanschauung, doch doppelschichtig. Zum einen – wie gesagt – als eine Weltanschauung, dazu aber auch ein politisches System.

Und dieser Hinweis auf die Doppelschichtigkeit spielt heute zumindest in Europa eine große Rolle und wird, wenn außer der christlichen und der jüdischen noch eine dritte Weltanschauung hinzukommt, in Zukunft noch eine größere Rolle spielen. Und das verlangt jetzt schon von Autorinnen und Autoren eine besondere Aufmerksamkeit, wenn sie einschlägige Themen aufgreifen. Doch soll das an dieser Stelle nicht weiter erörtert werden, denn nicht alle christlichen Fragen sind schon geklärt oder können je restlos geklärt werden. Die Gabe der Unterscheidung ist gefragt, um sie bei der Arbeit zu beachten! 

 

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