Symposium in Rom 2018

13. Symposium in Rom vom 15. - 17. März 2018

Thema: „Versuchung im Film“

Sieht man einmal von Schokoladenwerbung und Diätversprechen ab, wird wohl kaum ein Begriff so unmittelbar mit der christlichen Religion assoziiert wie die Versuchung. Schon in der Erzählung vom Sündenfall können Eva und Adam, von der Schlange verführt, der Versuchung, vom verbotenen Baum zu essen, nicht widerstehen. Ebenso prominent findet sich der Begriff im Ur-Gebet des christlichen Glaubens, dem „Vater Unser“, dessen deutsche Übersetzung der Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“ in jüngerer Zeit viel diskutiert worden ist.

Ob in religiöser Terminologie von „Tugend“ und „Sünde“ oder in der modernen Leistungsgesellschaft von „Selbstkontrolle“ und „Versagen“ gesprochen wird – es ist diese Gratwanderung zwischen Standhaftigkeit und Nachgeben, die die Versuchung kennzeichnet: Die permanente Anspannung der Willenskraft steht dem einen Moment des Schwachwerdens gegenüber.

Wo die alten Sündenregister „Gier“, „Völlerei“ oder „Wollust“, kurz: die Versuchungen der „fleischlichen Genüsse“ angeprangert haben, heißen heutige Verlockungen Karriere, Geld und Macht, und ihre Vehikel reichen von der Vorteilsnahme über (emotionale) Erpressung bis zur Selbstjustiz.

Die Versuchungen, für die wir anfällig sind, kennen wir meist ganz genau. Wer aber ist die moralische Instanz, der gegenüber wir uns zur Selbstdisziplin verpflichtet fühlen? Gott? Unser Gewissen? Die Gesellschaft? Wer definiert die Messlatte? Wer ahndet es, wenn wir der Versuchung erliegen? Wer schützt uns, wenn sie uns zerstört? Und wer ist es eigentlich, der uns verführt?

Das Symposium wird verschiedene Facetten der Versuchung in den Blick nehmen und dabei diesen und weiteren Fragen nachgehen.